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Vor dem Start – Puls, Pfützen, Vorfreude

Du kennst das Knistern vor einem Rennen. In Gedern hat es schon beim Warmfahren geprasselt, und die Strecke war eine einzige Einladung zum Rutschen. BNS, XCO, U17/1 Klasse – alles auf Anschlag. Ich stand da, die Finger kribbelten, der Kopf war klar und mein MTB hatte schon die erste Schlammpackung drauf. Kurz gedacht: Warum tue ich mir das an. Danach gedacht: Weil Mauntainbike Sport genau hier am meisten Spaß macht.

Bike Setup – zwischen Grip und Glaubensfrage

Für Matsch gilt: Traktion vor Theorie. Also grobstollige Reifen drauf, Luftdruck runter bis kurz vor Felgenkuss, und die Gabel ein wenig sensibler gestellt. Das Hinterrad sollte greifen, nicht graben. Kette sauber, frisch geschmiert, Bremsen bissig, aber dosierbar. Im Kopf das Mantra: locker bleiben, Blick weit, das MTB arbeiten lassen.

Strecke in Gedern – Linie suchen, Mut finden

Die Trainingsrunde war ein Realitätscheck. Off Camber Passagen wie auf Schmierseife, Wurzeln mit Glanzfinish, kurze steile Rampen, die dir das Lächeln aus den Beinen ziehen. Es gab eine Ideallinie. Und daneben jede Menge beinahe-aber-nicht-ganz-Ideallinien. Ich habe mir markante Punkte gesetzt: früher Druck aufs Vorderrad vor den Kurven, sauber über die Kanten atmen, aus Kurven raus direkt beschleunigen. Mutig, aber mit Plan.

Der Start – Sprint in die Schlammdusche

Pfiff, einklicken, los. Die Startgerade war eine Visitenkarte von Gedern: flüssiger Boden, dicker Nebel aus Erde, die Brille in Sekunden neu dekoriert. Ich bin kontrolliert schnell gefahren, nicht komplett am Anschlag, um in die erste technische Passage mit Spielraum zu kommen. Im Matsch gewinnt, wer Geschwindigkeit mit Balance verbindet. Trotzdem: Wenn eine Lücke aufging, habe ich sie genommen. Attacke dort, wo die Watt zählen und das Risiko überschaubar bleibt.

Rennrhythmus – atmen, führen, fliegen lassen
Runde eins war Detektivarbeit. In Runde zwei wurde es Flow. Ab Runde drei hieß es verteidigen. In den Abfahrten habe ich die Bremse früh geöffnet, den Körperschwerpunkt tief gehalten und das Bike geführt, nicht gezerrt. Bergauf ging es mit ruhigem Tritt, leichte Entlastung am Hinterrad, um die Traktion zu halten. Jede Runde ein bisschen schneller, weil die Linien klarer wurden und der Kopf mutiger.

Überholen im Matsch – elegant statt brachial
Im XCO sind saubere Manöver Gold wert. Ich habe mir Stellen ausgesucht, wo der Ausgang einer Kurve griffiger war. Außen anfahren, aus der Rille raus, Hinterrad darf kurz tanzen, dann Druck aufs Pedal. Ein freundliches „Komm mit“ hilft, die Tür aufzulassen, ohne jemanden in den Graben zu schicken. Fair, schnell, effektiv – so macht BNS richtig Spaß.

Mini Verpflegung – Fokus in Sips
Zeit zum Picknick gibt es im XCO nicht. Ein paar kurze Sips auf den Geraden, einmal tief durchatmen vor der nächsten Schlüsselstelle. Wenn die Beine gefragt haben, ob das wirklich sein muss, habe ich ihnen mit Technik geantwortet. Blick weit, Schultern locker, Ellbogen raus. Das hilft sofort – und spart Watt für die nächsten Rampen.

Die Schlüsselszene – alles auf eine Karte
Vor dem steilen Stich in der vorletzten Runde lag die Spur voller Rillen. Ich habe mich entschlossen, einen halben Meter weiter links zu fahren. Mehr Schlamm, aber weniger zerpflügt. Schwung mitgenommen, Gewicht nach vorn, Vorderrad führt, das Hinterrad schreibt kurz eine Postkarte. Oben raus direkt beschleunigt – Platzgewinn. Genau dafür liebe ich XCO. Es ist präzise und wild zugleich.

Zieleinlauf – dreckig, glücklich, zufrieden
Im Ziel sah ich aus wie ein wandelnder Acker und fühlte mich großartig. Jedes Schlammkorn war eine kleine Erinnerung an einen geretteten Rutscher, eine gelungene Linie, einen mutigen Tritt. U17/1 Klasse in Gedern, BNS, XCO, MTB – Haken dran. Und ja, das Grinsen hat länger gehalten als die Schlammpackung auf dem Trikot.

Was ich aus Gedern mitnehme – Tipps für dein nächstes Matsch Rennen

  • Reifen wählen, Druck anpassen: Traktion ist König
  • Blickführung schlägt Kraft: Weit schauen, Bike folgt
  • Mut mit Plan: Risiko dort, wo der Lohn hoch ist
  • Technik zuerst: Sauber bremsen, ruhig beschleunigen
  • Rundenweise lernen: Erst finden, dann halten, dann verteidigen
  • Humor hilft immer: Wer lacht, fährt lockerer 😄

Fazit Matsch ist kein Gegner, Matsch ist ein Element. Wenn du es annimmst, trägt es dich. Gedern hat mich gefordert, aber auch belohnt. Ich bin raus aus dem Rennen mit mehr Selbstvertrauen, mehr Gefühl fürs Bike und noch mehr Liebe für den Mauntainbike Sport. Nächstes Rennen. Sehr gern. Und wenn es wieder matschig wird, umso besser.